UBFDAADDEU
Логотип ZDES

Netzwerkstrukturen in Deutschland, Russland und Europa

Net crDieser Forschungsbereich konzentriert sich auf die wachsende Bedeutung heterogener Netzwerkstrukturen, die Individuen, Objekte, Bedeutungen, Organisationen, Regionen und Staaten in der heutigen Gesellschaft verbinden. Die damit einhergehenden Transformationen in Wissenschaft, Bildung, Wirtschaft, Politik, Kunst, Zivilgesellschaft und in anderen Bereichen in Deutschland, Europa und Russland erfordern einen gemeinsamen Einsatz verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen in der internationalen Netzwerkanalyse.

Der ZDES-Forschungsbereich umfasst zwei Hauptforschungszweige. Der erste untersucht kulturelle und soziale Strukturen und konzentriert sich darauf, wie die Entwicklung von Bedeutungs-/Wissensnetzwerken mit den Veränderungen in sozialen Netzwerken zusammenhängt, was insbesondere im Kontext der in Europa und Russland aufkommenden Wissensgesellschaften von Bedeutung ist. Beim zweiten Forschungszweig liegt der Fokus auf Kreativität und Innovation. Hier wird hinterfragt, wie neue Ideen entstehen, sich entwickeln und in Objekte, Strukturen und Prozesse umgesetzt werden. In beiden Forschungszweigen wird ein netzwerkanalytischer Ansatz auf zwischenmenschliche, gruppenübergreifende und organisatorischen Ebenen angewandt, um soziale und kulturelle Mikrodynamiken in deutschen, europäischen und russischen Kontexten zu untersuchen. Zugleich wird auch die räumliche Einbettung der sich ausbreitenden sozialen und kulturellen Netzwerkstrukturen erforscht, die sich über Grenzen hinweg ausbreiten und somit Regionen und Staaten in ganz Eurasien verbinden.

Bis 2017 war die Forschungsarbeit auf diesem Gebiet in erster Linie im Rahmen eines vierjährigen interdisziplinären internationalen Forschungsprojekts "Co-evolution of Knowledge and Communication Networks: Structural Dynamis of Creative Collectives in European Cultural Capitals" (2014-2017) organisiert, das von der russischen wissenschaftlichen Stiftung für Geisteswissenschaften und dem Ministerium für Bildung und Wissenschaft der Russischen Föderation (Presidential Grant) unterstützt wurde. Innerhalb dieses Projekts wurde untersucht, wie Kommunikation in kreativen Kollektiven das Entstehen kollektivspezifischer Wissensstrukturen bedingt und wie sich diese Strukturen wiederum auf die Kommunikation auswirken. Dazu wurde eine soziosemantische Netzwerkanalyse mit gemischten Methoden entwickelt und eine Reihe von ethnografischen und textuellen Längsschnittdaten zu Kreativkollektiven in fünf europäischen Großstädten – St. Petersburg, Hamburg, Barcelona, Madrid und London – gesammelt. Das Projekt wurde in enger Zusammenarbeit mit internationalen Forschern und Forscherinnen aus Deutschland, Spanien, Großbritannien und den Niederlanden durchgeführt. Darüber hinaus nahmen auch Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen daran teil, u.a. aus den USA, Australien und Kanada. Ein Teil des Projekts umfasste Mobilitäten und wissenschaftliche Austauschveranstaltungen zwischen Russland, Deutschland und Europa.

kingsnap5

2018 wurde in diesem Forschungsbereich ein weiteres internationales Ankerprojekt namens 'Dynamiken sozio-kultureller Netz-werkstrukturen: Eine Analyse europäi-scher Kreativ-Kollektive' (2018-2020) gestartet, das von der russischen Stiftung für Grundlagenforschung unterstützt wird. In diesem Projekt wird versucht, soziokulturelle Mechanismen zu identifizieren, die sozialen Entwicklungen zugrunde liegen, und soziokulturelle Mikrodynamiken unter Verwendung des zuvor gesammelten umfangreichen longitudinalen Datensatzes zu europäischen Kreativkollektiven statistisch zu modellieren. An dem Projekt sind Mitarbeitende aus Deutschland, Europa, Großbritannien, den USA und Australien sowie eine Reihe von Forschern und Forscherinnen und von Studierenden des ZDES beteiligt.

Darüber hinaus führen Forscher/innen und Kooperationspartner/inne des ZDES eine Reihe von individuellen Forschungsprojekten in diesem Forschungsbereich durch und werden vom ZDES in ihren Forschungstätigkeiten in Deutschland und Europa unterstützt. Die Studie „Tönnies-Weber-Kovalevski-Sorokin: Early Contacts of Sociologists of Russia and Germany“ von Nikolay Golovin von der Staatlichen Universität St. Petersburg soll beispielsweise unbekannte und wenig bekannte wissenschaftliche Zusammenhänge in der russischen und deutschen Soziologie während ihrer Gründungszeit aufdecken. Ein weiteres Beispiel ist die Studie „Russian computer scientists in the UK: Migration, career and diaspora knowledge networks“, die von Irina Antoshchuk, Europäische Universität St. Petersburg und Staatliche Universität St. Petersburg, durchgeführt wird. In ihrem Projekt untersucht sie die Zusammenarbeit von migrierten russischsprachigen Informatikern mit anderen russischsprachigen Forschern in Großbritannien. Die von Mariia Drozdova, Autonome Universität Barcelona, durchgeführte Studie „Brand consumption in Spain“ untersucht Gemeinschaften von Markenkonsumenten mithilfe einer soziosemantischen Netzwerkanalyse, um herauszufinden, wie soziale Bindungen zwischen Konsumenten ihre gemeinsame Markenwahrnehmung beeinflussen.

Zwei vom ZDES kontinuierlich organisierte internationale Großveranstaltungen sind mit diesem Forschungsbereich verbunden. Eine davon ist die alle zwei Jahre stattfindende Konferenz Networks in the Global World, deren vorrangiges Ziel es ist, Netzwerkforscher und -forscherinnen aus der ganzen Welt zusammenzubringen, um die neuesten Beiträge verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen im Bereich der Netzwerkforschung zusammenzuführen. Die andere Veranstaltung ist die St. Petersburg Sommerschule zur Netzwerkanalyse, die deutsche, russische und europäische Studierende alle zwei Jahre mit Hilfe von international anerkannten Lehrenden in die grundlegenden Theorien, Konzepte und Werkzeuge der Netzwerkanalyse einführt. In beiden Veranstaltungen liegt ein besonderer Fokus auf den Hauptthemen des Forschungsbereichs, wie der Koevolution sozialer und kultureller Netzwerke, der soziosemantischen Netzwerkanalyse und der Netzwerkanalyse von Innovationen und Kreativität.